Eine Woche offline
von Josef Obergantschnig
Eine Woche ohne LinkedIn, ohne Mails und ohne einen einzigen Blick auf die Börsenkurse. Vorher war ich skeptisch, ob ich das schaffe. Bisher bin ich dabei immer „gescheitert“. Diesmal hat es funktioniert, und zwar gut.
Die Wochen davor waren wild: eine neue Website, eine neue Studie, eine Österreich-Tournee, zwei Gutachten für institutionelle Investoren und dazwischen das Tagesgeschäft. Die Kinder hatten Herbstferien, und für uns ging es ins warme Ägypten, um die Akkus noch einmal richtig aufzuladen.

Familienurlaube nehme ich sehr bewusst wahr. Wer weiß, wie lange unsere beiden Teenager noch Lust haben, mit uns „Alten“ zu verreisen? Wir waren auf Wüstensafari, mit Quad, Buggy und Jeep. Danach haben wir den Sonnenuntergang in der Wüste erlebt, mit den Einheimischen zu Abend gegessen und ein wenig in ihre Kultur und ihr Leben eingetaucht. Beim Schnorcheln hat mich die Stille und Schönheit der Unterwasserwelt verzaubert.

Am meisten beeindruckt haben mich die Menschen. Freundlich, aufgeschlossen und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Das möchte ich für meinen Alltag mitnehmen.
Und weil mich so viele gefragt haben: Ja, ich habe mein Digital Detox durchgezogen. Der Laptop blieb zuhause, das Handy lag im Safe. Das erste Mail habe ich erst nach unserer Ankunft daheim geschrieben. Ich kann es nur empfehlen, sich einmal ein paar Tage komplett rauszunehmen.

Etwas ist mir in Ägypten besonders aufgefallen: Mein Depot hat in dieser Woche nicht nach mir gefragt. Es hat einfach weitergearbeitet. In meinem Kerngeschäft ist das ganz anders, und das unterschätzen viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Unser Unternehmen braucht uns. Ohne unser Zutun passiert dort oft wenig, vor allem bei Solopreneuren ohne eingespieltes System. Unser Geld dagegen arbeitet auch ohne uns, 365 Tage im Jahr, ohne Urlaub und ohne Krankenstand.
Wer sein Vermögen so aufstellt, dass es ohne eigenes Zutun läuft, kauft sich genau das: eine Woche Abstand, ohne schlechtes Gewissen. Für mich ist das ein Stück unternehmerische Freiheit. Und die Tage mit der Familie waren Lebensdividende pur.
Jetzt bin ich wieder da, voller Kraft und mit Vorfreude auf die nächsten intensiven Wochen. Und mit einem Lächeln auf den Lippen.
Wann warst du zuletzt eine Woche wirklich offline?